Historisches



Der Schloßpark Laxenburg mit seiner großen Parklandschaft, dem Alten Schloß, dem Blauen Hof und der romantischen Franzensburg und vielen anderen bemerkenswerten Schmuckbauten gilt als eines der bedeutendsten Denkmäler historischer Gartenkunst des 18. und 19. Jahrhunderts und hat eine bis weit in das 13. Jahrhundert zurückreichende Geschichte aufzuweisen. Er erinnert an Größe und Schicksal der Habsburg-Dynastie, die ihn errichtete und jedes Jahr zur Erholung aufgesucht hat.

Geschichte der Herrschaft Laxenburg
(Elisabeth Springer - auszugsweise)

Die Besiedlungsgeschichte des Wiener Beckens ist durch mehrmals wiederkehrende Verwüstungen durch die Reitervölker Osteuropas geprägt. Unsere heute bestehenden Orte und Siedlungsformen gehen auf die - wohl planmäßig erfolgte - Kolonisation des 10. und 11. Jahrhunderts zurück. Die Straßenzüge verliefen parallel zu den Flüssen Liesing, Schwechat, Triesting, Piesting, und die Siedlungen, die durch sie verbunden wurden, lagen in ungefähr gleichen Abständen voneinander und bildeten so ein geschlossenes System von Festungen und Dörfern.

Lachsendorf - so der ursprüngliche Name von Laxenburg - gehörte in diese Reihe, aus der nur (Kaiser-)Ebersdorf, Himberg, Ebergassing, Achau, Tribuswinkel oder Ebenfurth genannt werden mögen. Das Nebeneinander von Festung und Dorf ist dabei so selbstverständlich, daß man deren Entstehung als ungefähr gleichzeitig annehmen muß. Die erste gesicherte Nennung des Namens Lachsendorf ist aus dem Jahr 1217 überliefert.

Plan um 1845 Der Ort Himberg kam schon im frühen 13. Jahrhundert in den Besitz des Landesfürsten, und seit derselben Zeit war Lachsendorf offenbar im Einflußbereich der babenbergischen Nebenlinie der "Herzöge von Mödling", wie die Bezeichnung Alberts von Lach­sen­dorf als "camerarius" im Jahr 1232 nahelegt.

Der alte Siedlungskern von Laxenburg zeigt den Typus des Angerdorfes, die klassische Dorfform der hochmittel­alterlichen Kolonisation. Die Uranlage des 12. und 13. Jahrhunderts bestand aus dem Wasserschloß mit Meierhof, Mühle und anderen notwendigen Wirtschaftsgebäuden und dem danebenliegenden großen linsenförmigen Anger. Dieser Anger war von ursprünglich 24, später 50 Häusern umgeben und diente für den bis in die frühe Neuzeit hier abgehaltenen Ochsenmarkt.

1306 kam Lachsendorf (das Schloß mit einer Kapelle und die zugehörigen Herrschaftsrechte) mittelbar und bald darauf auch unmittelbar in die Hand der habsburgischen Landesfürsten. Von dieser Zeit an wuchs der Ort allmählich in die Rolle einer ländlichen Residenz hinein.

(Altes) Schloß, Originalradierung, koloriert, 1672, nach einem Stich aus der Topogrophie von G.M. Vischer Damit wurden die wirtschaftlichen Interessen immer stärker zugunsten einer Funktion als Erholungsort für die Residenz Wien abgelöst. Daher entstanden im Umkreis des Schlosses und des Angers nach und nach immer mehr Nebengebäude für die landesfürstliche Residenz, später auch Schlösser und Palais mit dazugehörigen Wirtschaftsgebäuden für den Hofadel und die politischen Funktionäre.

Aus der Kaufurkunde von 1306 geht eindeutig hervor, daß die Herrschaft Lachsendorf damals ein "freies Eigen" war; es erscheint nicht überflüssig, das zu betonen, da irrtümlich immer wieder von der Lehenshoheit des Stiftes Melk über diesen Teil des Wiener Beckens gesprochen wird. Bedingt durch die Wirren des Jahres 1309 mit dem Aufstand vieler landsässiger Adeliger gegen die Habsburger und ihre "landfremden" Anhänger und die Finanznot der folgenden Jahre wegen der Bemühungen Friedrichs des Schönen um die römisch-deutsche Kaiserkrone war die Herrschaft Laxenburg verpfändet und ging dann durch mehrere Hände. Vorübergehend war sie im Besitz des Landmarschalls Dietrich von Pillichsdorf, ehe sie wieder direkt in habsburgische Hand kam.

Herzog Albrecht II. machte 1338 eine Stiftung zugunsten der Kapelle der Hl. Maria neben dem Tor des Schlosses. Einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Residenzbildung brachte die Zeit Herzog Albrechts III. Für ihn hatte Laxenburg sicher größere Bedeutung als Wien;

seine rege Bautätigkeit am Schloß ist durch viele Berichte und durch konkrete Detailangaben im Rechenbuch des Stephan Rokendorfer, des Burggrafen von Laxenburg, belegt.

Albrecht ließ das Schloß umbauen und mit Statuen von der alten Burg auf dem Leopoldsberg ausschmücken; dazu wurden Lustgärten und Tiergehege angelegt. Außerdem gründete er neben dem Schloß, das zunächst noch den Namen Lachsendorf behielt, 1388 einen Markt mit dem Namen "Lachsenburg". Eine Zeitlang wurden beide Namen nebeneinander verwendet, bis sich die neue Namensform in verschiedenen Schreibweisen schließlich durchsetzte.

Die Verleihung des Marktrechtes bedeutete wohl nicht die Anlegung einer neuen Siedlung, sondern das neue Recht wurde der den Dorfanger umschließenden Häuserzeile verliehen. Gleichzeitig wurde die Mitte des Angers mit einem Grätzel verbaut, das gleichfalls den linsenförmigen Grundriß aufweist.

Projekt für den Waderlgarten in Laxenburg, um 1770 Eine prinzipielle Tendenz der Entwicklung Laxenburgs in den nächsten Jahrhunderten ist die Doppelpoligkeit zwischen der wirtschaftlichen Bedeutung der Grundherrschaft und der Erholungsfunktion als ländliche Residenz. Ab dem späten 17. Jahrhundert gewann die "erbauliche" Seite immer stärker an Bedeutung und wurde ab dem 18. Jahrhundert das vorherrschende Element.

Als eigentlicher Schwerpunkt für die finanzielle Bedeutung der Herrschaft ist zunächst noch der bereits erwähnte Ochsenmarkt zu erschließen. Laxenburg war eine wichtige Zwischenstation für den seit dem Mittelalter von Ungarn nach Mittel- und Westeuropa etablierten Ochsenhandel im großen Stil. Im Rahmen dieser Ochsenzüge fanden hier vor den Toren Wiens regelmäßig große Ochsenmärkte statt, die seit dem 15. Jahrhundert konkret nachgewiesen sind, aber vermutlich auch schon früher abgehalten wurden.

Unter Albrecht V. (II.) (1397-1439) gab es noch eine fürstliche Hofhaltung in Laxenburg, aber in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde der Ort in die inneren und äußeren Kämpfe der Epoche Friedrichs III. (1415-1493) hineingezogen. Von 1485 bis 1490 war das Schloß durch die Truppen des ungarischen Königs Matthias Corvinus besetzt.

Maximilian I. (1459-1519) war als Jäger am Laxenburger Gebiet sehr interessiert; so ließ er den alten Tiergarten neu einzäunen und einen Teil des Laxenburger Parks in Art eines niederländischen Ziergartens anlegen. In einem der Briefe Maximilians an seinen Vater aus Burgund wird Laxenburg ausdrücklich mit den burgundischen Wasserschlössern verglichen.

Aus dieser Zeit ist auch die erste bildliche Darstellung des Laxenburger Schlosses erhalten: Die Abbildung Herzog Heinrichs des Jüngeren auf dem Babenberger-Stammbaum in Stift Klosterneuburg aus dem Jahr 1490 gibt die Landschaft um das Wasserschloß Laxenburg wieder.

Die landschaftlichen Gegebenheiten, die die Voraussetzungen für den Ochsentrieb bildeten, waren auch in militärischer Hinsicht von Vorteil: So etwa diente Laxenburg 1532 als Aufmarschgelände für das große Reichsheer, das hier zum geplanten Zug gegen die Türken gesammelt wurde. Für die Wirtschaft waren derlei Unternehmen aber eher nachteilig, weshalb die Bürger von Laxenburg im Jahr 1533 um Erlassung der Urbarialsteuer baten, weil ihre Weidegründe zuerst von den Türken (während der Belagerung Wiens 1529) und dann von Pfalzgraf Friedrich - dem Befehlshaber des Reichsheeres von 1532 - zerstört worden waren.

Parkansicht in Laxenburg um 1815-20 Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Herrschaft nicht von einem kaiserlichen Pfleger direkt verwaltet, sondern war an verschiedene Kleinadelige verpfändet, denen der Kaiser verpflichtet war; etwa an den oberösterreichischen Adeligen Lasla Prager.

Um etwa 1530 begann für Laxenburg die „spanische" Epoche: Ferdinand I. (1503-1564), der jüngere Bruder Karls V., hatte aus seinem Geburtsland viele Spanier mitgebracht, die nun als Höflinge oder Beamte tätig waren.

1539 wurde der Oberstkämmerer Martín de Guzmán Pfleger und Pfandinhaber von Laxenburg. 1559 übergab er die Pflegschaft von Laxenburg an Bernardín de Meneses (Manesis), da er ab dieser Zeit für Ferdinand in diplomatischer Mission unterwegs war. Meneses blieb bis zu seinem Tod 1562 in Laxenburg.

Zur gleichen Zeit war auch Melchor de Argüello (Melchior Arguello) hier ansässig; er erhielt 1544 von Ferdinand einen Edelmannshof verliehen und wurde 1548 mit der Er­weiterung des Tiergartens beauftragt. Auch er ist bis zu seinem Tod 1556/57 (?) in Laxenburg nachweisbar. Mit diesen Herren kamen auch viele andere Spanier aus dem kaiserlichen Gefolge nach Laxenburg, etwa Cristóbal de Castillejo, der Ferdinand als Sekretär für die spanische Korrespondenz diente, aber vor allem als Dichter bekannt wurde.

Für Matthias (1557-1619), den ehrgeizigen Bruder Rudolfs II., bildete Laxenburg in seiner Zeit als Erzherzog zeitweise die Hauptresidenz, der er auch in baulicher Hinsicht sein Augenmerk zuwandte. In der Zeit, als er schon Kaiser war, trat Laxenburg wieder in seiner Funktion als Jagdresidenz in Erscheinung. So sind von Matthias genaue Anweisungen an den Oberstfalkenmeister wegen Erbauung eines neuen Reiherstadels zur besseren Haltung der Reiher "zue dero Lanndtesfürstlicher Lust" erhalten.

Der Mariannentempel um 1875 Unter Kaiser Ferdinand II. (1578-1637) erfolgte schließlich die Einlösung der verpfändeten Herrschaft und die Übergabe an Kaiserin Eleonore, wodurch nun sowohl die kaiserliche Hofhaltung als auch der Wirtschaftsbetrieb unter einheitliche Verwaltung kamen.

Nach Perioden, in denen Laxenburg durch Kämpfe stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, kam es im Laufe des 17. Jahrhunderts zunächst zu einem stetigen Aufstieg. Besonders beliebt war Laxenburg unter Leopold I. (1640-1705); ab dieser Zeit wurden die jährlichen Laxenburg-Aufenthalte des Hofes zur Regel.

Parallel zu den immer zeremoniöser werdenden Falkenjagden war das Hofleben in Laxenburg aber auch durch vielfältige kulturelle Aktivitäten bestimmt. So gab es oftmals Theateraufführungen, bei denen manchmal auch der Kaiser als Schauspieler agierte; man gab Opern, Ballette oder Konzerte. Gelegentlich wurden hölzerne Theatergebäude errichtet, meist aber fanden die Aufführungen im Freien unter den Bäumen statt, wie es von zeitgenössischen Besuchern berichtet wird.

Während dieser Wochen wurden auch große politische Angelegenheiten in Laxenburg abgehandelt. So kam es 1682 zum Abschluß der "Laxenburger Allianz" zwischen dem Kaiser und mehreren Reichsfürsten gegen die Angriffe Frankreichs.

Damals war der Theaterarchitekt Ludovico Burnacini mit der inneren Ausgestaltung des Schlosses beschäftigt. Es gab unter Leopold I. auch noch andere bauliche Veränderungen, die jedoch von dem großen Bauboom, der nach den Verheerungen durch die Türkenbelagerung von 1683 einsetzte, bei weitem überholt wurden. Die erste Aktion damals war bezeichnenderweise die Reparatur aller mit der Falkenjagd in Zusammenhang stehenden Baulichkeiten.

Ab 1693 kam es zum Neubau der Pfarrkirche; die damit verbundene Vergrößerung wird ausdrücklich damit begründet, daß während der Wochen des Aufenthaltes des Hofes in Laxenburg die Kirche bei weitem zu klein sei.

Dem Holländer Peter Schenk verdanken wir in seiner Kupferstichserie "Hecatompolis" eine sehr interessante Ansicht Laxenburgs von 1702. Das Bild zeigt das kaiserliche Schloß (= das Alte Schloß), umgeben vom später entfernten Vorhof mit Ecktürmen, den "Tiergarten", die Pfarrkirche; besonders hervorgehoben werden das Palais des Oberstfalkenmeisters Grafen Sinzendorf, des Fürsten Schwarzenberg, des Reichsvizekanzlers Graf Kaunitz und des Fürsten Dietrichstein.

Weitere wichtige Adelspalais entstanden später unter Karl VI. (1685-1740) im Umkreis des Schlosses. Der berühmte Geometer Johann Jakob Marinoni gibt in seinem 1716 gezeichneten Plan von Laxenburg alle jene Bauten wieder, die in irgendeinem Zusammenhang mit dem Hof stehen: Obristhofmeister (Anton Florian Liechtenstein), Obriststallmeister (Philipp Sigmund Dietrichstein und Michael Johann Althann), Obristfalkenmeister (Johann Albrecht St. Julien), Oberstjägermeister (Hartmann Liechtenstein). Dazu werden die Palais einiger bedeutender Adelsfamilien genannt, und zwar: Schönborn, Sinzendorf, Dietrichstein, Schwarzenberg, Kaunitz und Schlick.

Einigen der Genannten standen ein Amtssitz und ein Privatpalais zur Verfügung, so dem Grafen Dietrichstein, dessen Familienpalais vor ihm schon Carl Ludwig Dietrichstein als Oberstjägermeister verwendet hatte. Die anderen Adeligen amtierten in ihren Privatpalais, denn auch sie waren mit kaiserlichen Ämtern betraut.

Friedrich Karl Schönborn gehörte seit 1705 als Reichsvizekanzler zum politischen Umkreis des Kaiserhofes und war daher natürlich auch an einem Wohnsitz in Laxenburg interessiert.

Dominik Andreas Kaunitz (1654-1705) war Reichsvizekanzler; sein Sohn Maximilian Ulrich Kaunitz (1679-1746) war einige Male in diplomatischer Mission für den Kaiserhof unterwegs, seit 1720 war er Landeshauptmann von Mähren. Der Enkel Wenzel Anton (1711-1794) sollte später als Staatskanzler dem Namen Kaunitz zu weltpolitischer Bedeutung verhelfen. Für alle drei ist die Anwesenheit in Laxenburg bezeugt, wenn auch ihr Palais nicht durchgehend im Besitz der Familie war. Zwischendurch residierte hier Graf Luigi Canale, der piemontesische Botschafter am Kaiserhof, der von 1737 bis 1771 in Wien wohnte. Er gehörte zum engsten Freundeskreis um den Hofpoeten Pietro Metastasio, der, wie sein Lobgedicht auf Laxenburg beweist, sehr oft hier weilte. Nach seinem Tod verkaufte seine Witwe Gräfin Maria Anna Canale geb. Pálffy das Palais an den Staatskanzler Kaunitz.

Leopold Anton Joseph Schlick (1663-1723) war Feldmarschall und Böhmischer Hofkanzler; seine zweite Gemahlin Maria Josepha Schlick geb. Wratislaw (†1739) erwies sich in Laxenburg beim Einsammeln von Spendengeldern für den Fertigbau der Pfarrkirche als besonders aktiv.

Philipp Ludwig Wenzel Sinzendorf wurde sehr jung Kämmerer Leopolds I., war seit 1699 Gesandter in Paris und wurde 1705 Oberster Hofkanzler, später Erster Konferenzminister. Adam Franz Schwarzenberg war Oberststallmeister, später Obersthofmarschall. Bekanntlich wurde er 1723 durch ein Versehen von Kaiser Karl VI. auf der Jagd in Brandeis an der Elbe erschossen.

Maria Theresia, 1717-1780, Porträt Unter Maria Theresia (1717-1780) wurde der Kaiserhof selbst zum größten Bauherrn in Laxenburg. Den äußeren Anlaß dazu bildeten zunächst die verschiedenen Pläne zur Regulierung der zahlreichen Wasserläufe im Bereich von Ort und Schloß. In diesem Zusammenhang entstanden mehrere einschlägige Projekte von Ingenieur Jean Baptiste Brequin de Demenge, Schloßhauptmann von Laxenburg, von Jean Pierre Beaulieu und von dem berühmten Mathematiker P. Joseph Liesganig (1719-1799). Entsprechend den speziellen Interessen dieser Fachleute sahen diese Entwürfe Kanäle mit Schleusen und Hebemaschinen für Bootsfahrten, Wasserfälle und Springbrunnen vor oder stellten - wie bei Liesganig - die Demonstration einer neuen Vermessungsmethode dar, die schließlich zum Auftrag Maria Theresias für die Ausmessung des Wiener und des ungarischen Meridians führte.

Das andere Motiv für die Bautätigkeit der Kaiserin in Laxenburg war ihre ständig wachsende Familie, die in den Räumlichkeiten des Alten Schlosses nicht mehr standesgemäß untergebracht werden konnte.

Daher erwarb man 1756 von Daun den Blauen Hof und einige Bürgerhäuser. In der Folge wurde das Gebäude durch den Hofarchitekten Nicoló Pacassi adaptiert. Mit dem Neubau eines Theaters, des Speisesaales und von Nebengebäuden wurde dadurch eine weitläufige Anlage geschaffen.

Zusätzlich wurden einige der aufgekauften Bauernhäuser und der alte Meierhof mit einer einheitlichen Fassade versehen, sodaß nun fast die Hälfte des Schloßplatzes und die Parkzufahrt das geschlossene Bild einer Kaiserresidenz im heiteren ländlichen Ambiente vermitteln. Diese Spätphase der Ausbaues geschah wohl schon durch die Hofbauarchitekten Franz Anton Hillebrandt und Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg. Besonders Hohenberg legte später ein umfassendes Großprojekt vor, das in einer gigantischen Anlage den völligen Neubau des Geländes südlich des Schloßplatzes vorsah; von diesem Projekt wurden lediglich um 1800 die Stallungen und Wagenremisen an der Münchendorfer Straße ausgeführt.

Die Kaiserliche Familie zu Besuch in Laxenburg Auch das Aussehen des Ortes Laxenburg wurde durch die Bautätigkeit unter Maria Theresia grundlegend verändert: Vorher mußten die Hofwägen, um aus Richtung Wien zum Schloß gelangen zu können, immer den Umweg um das Grätzel im Dorfanger machen. Maria Theresia ließ 1762 die in der Mitte des Grätzels liegenden Bauernhäuser und -gründe aufkaufen und eine Durchzugsstraße nach Wien anlegen. Die Begrenzung dieser neuen "Hofstraße" ist auch heute noch an einigen Stellen durch eine Gartenmauer markiert. Die Straße wurde durch Einlösung von Äckern dann auch bis Biedermannsdorf angelegt und in gerader Richtung bis Schönbrunn als Allee weitergeführt.

Das bekannteste Bauwerk Laxenburgs ist aber zweifellos die durch Kaiser Franz II. (I.) errichtete Franzensburg. Laxenburg war sein erklärter Lieblingsaufenthalt. Es gibt zwei durch Gemälde festgehaltene Szenen, die Kaiser Franz in bezeichnender Weise charakterisieren und beide in Laxenburg spielen. Johann Peter Krafft zeigt den Kaiser, der einen Bauern, der ihn nicht erkannte, im Boot zur Franzensburg überführt; Peter Fendi schildert Kaiser Franz, der seinen kleinen Enkel Franz Joseph aufhebt, um eine Schildwache beschenken zu können.

Ritterschloss Laxenburg war für die Enkel des Kaisers - Franz Joseph und seine Brüder - in der Kinderzeit der häufigste Landaufenthalt, wie diese und andere Darstellungen zeigen. Es wurde daher als erster Aufenthalt nach der Vermählung Franz Josephs mit Elisabeth gewählt. In der Folge führte man auch den jährlichen Landaufenthalt des Kaiserhofes in Laxenburg wieder ein. 1856 brachte Elisabeth in Laxenburg ihre Tochter Gisela zur Welt (das erste Kind - Sophie - war in Wien geboren). Auch die feierliche Taufe fand in Laxenburg im großen Speisesaal statt. 1858 wurde Kronprinz Rudolf in Laxenburg geboren und getauft.

Unter den besonderen Vorkommnissen in Laxenburg aus der Zeit Kaiser Franz Josephs machte vor allem der Aufenthalt des persischen Schahs Nasreddin während der Wiener Weltausstellung von 1873 enorme Schlagzeilen in der Öffentlichkeit.

Während der kurzen Regierungszeit Kaiser Karls spielte Laxenburg im Jahr 1917 noch einmal durch das Zusammentreffen mit dem Bruder der Kaiserin, Prinz Sixtus von Parma, eine weltpolitisch bedeutsame Rolle.

Das Ende der Monarchie brachte für Laxenburg eine große Zäsur. Die Verwaltung ging vom Habsburgisch-Lothringischen Familienfonds auf den Kriegsgeschädigtenfonds über.

Zum Komplex der Laxenburger Hofgebäude (abgesehen von der Franzensburg und anderen Parkgebäuden) gehörten damals: das Alte Schloß, das Uhlefeldhaus (das während der russischen Besatzungszeit ausbrannte und später abgetragen wurde); der Blaue Hof mit Speisesaal, Theater und einem Verbindungstrakt; der Gärtnerhof; der alte Meierhof, das Schüsselgebäude, das Lascy'sche Haus; die Kaserne, die Schloßhauptmannswohnung und die dazwischenliegenden Trakte um den Johannesplatz; Gardestöckl, Reitstall und Wagenremise; das Grünne-Haus mit Wirtschaftsgebäuden und dem angrenzenden Boms'schen Haus; Doktor-Haus, Apotheker-Haus, Scheck'sches Haus; Jägerstöckl; die Meierei.

Im Jahr 1922 versuchte eine "Société Anonyme Chateau Laxenbourg" das Gelände gewinnbringend zu vermarkten, doch ging der Versuch schon 1924 zu Ende. Laxenburg kam nun wieder an den Kriegsgeschädigtenfonds, der 1938 vom deutschen Militär und dieses 1945 von der russischen Besatzung abgelöst wurde. Erst 1955 war das Schloß wieder frei, befand sich aber in einem sehr schlechten Zustand.

Nach langem zähem Ringen kam es 1962 zur Gründung der aus Vertretern Niederösterreichs und Wiens gebildeten Schloß Laxenburg Betriebsgesellschaft m. b. H. für Schloß und Park; die landwirtschaftliche Gutsverwaltung blieb weiter in kommunaler Verwaltung der Stadt Wien. Damit konnte nach den Verwüstungen des Krieges endlich mit einem gezielten Aufbau begonnen werden.

Heute beherbergen die von der Schloß Laxenburg Betriebsgesellschaft m. b. H. verwalteten Gebäude eine Reihe von Institutionen, so das Film-Archiv-Austria im Alten Schloß und im Forsthaus und vor allem das IIASA (Internationales Institut für angewandte Systemanalyse), das 1972 gegründet wurde und seit 1973 in Laxenburg ansässig ist. Es belegt den Blauen Hof mit Speisesaal, Theater und allen Nebengebäuden sowie das Grünne-Haus. Parallel dazu werden durch das Conference Center die Räume um Speisesaal und Theater an Interessenten vermietet.


Ausführliche Informationen finden Sie in den Büchern:

"Der Schlosspark Laxenburg"
"Die Franzensburg in Laxenburg"

Erhältlich an allen Parkkassen oder Sie bestellen online und klicken hier .