Ehemalige Eiskeller


Anlässlich der verschiedenen Veränderungsphasen im Alten Schloss wurden schließlich im Schlosspark - in unmittelbarer Nähe zum Alten Schloss - Erd- und Eiskeller, die „Hofeiskeller", angelegt. Das Eis wurde dazu von dem nahen Schlossteich bei der Franzensburg über den sogenannten „Eisweg" bis zu den Hofeiskellern gebracht.

Alter EiskellerÜber die Eisgewinnung, deren Transport und Lagerungsmethoden von Laxenburg liegen gegenwärtig keine nachweislichen Aufzeichnungen vor. Entsprechende Überlieferungen ähnlicher Einrichtungen z. B. in Retz, aber auch im Schloss Kirchstetten - Weinviertel, lassen jedoch folgende Methode realistisch erscheinen:

Das Eis musste dafür stark - sicherlich über 20 cm - genug, das heisst tragfähig, sein um gefahrlos darüber laufen zu können. Erst dann begann die „Eisgewinnung" für die Erd- bzw. Eiskeller. Jährlich in den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester, wenn die Eisstärke im Teich ihren Maximalwert von 18 bis 20 cm erreicht hatte, wurden große Eisplatten mittels Hacken, aber auch Sägen, aus dem Eis geschlagen und mit Eishaken über vorher planierte Schneebahnen an das Ufer gezogen.

Dort wurden die Platten auf Holzpfosten senkrecht aufgestellt, damit Schmelzwasser abrinnen konnte; nach 2 Tagen wurden die Platten umgeworfen, in tragbare Stücke von ca. 20 bis 25 kg Gewicht zerschlagen, händisch auf Pferdewagen (nicht Schlitten) geladen und zu den Eiskellern transportiert.

Die Kutscher hatten dicke Filzstiefeln - die mit Jutesäcken umwickelt waren - an den Füßen. Beim Erd- bzw. Eiskeller angelangt, wurden die Eisblöcke abgeladen und in die vorhandenen Eiskeller abgelagert.

Das Eis wurde zuerst durch die seitlichen, später durch die teilweise vorhandenen oberen Öffnungen, in die Grube geworfen und dort von zwei Mann in etwa faustgroße Stücke zerschlagen, verteilt und verdichtet. Sobald die Grube gefüllt wer, verschloss man die seitlichen Eingänge mit Eisplatten und Brettern und füllte dann den gesamten Raum bis knapp zur Decke weiter an. Nachdem die Männer den Keller durch die Deckenöffnung verlassen hatten, wurden diese mit Brettern und Erde verschlossen. Erst ab dem Frühjahr wurde durch diese Öffnung dann nach Bedarf das ganze Jahr über Eis entnommen. Der Eisvorrat reichte bis Ende August, oft bis in den September hinein und hielt somit die Lebensmittel über das gesamte Jahr hindurch kühl.

Alter EiskellerDie Hofeiskeller von Laxenburg sind ein zur Hälfte in den Boden versenkter Ziegelbau mit acht seitlichen Eingängen. Das Gewölbe mit runder Öffnung ist zur Isolierung mit Erde - und zwischenzeitigem Baumbestand - überdeckt.

Bei den Hofeiskellern im Schlosspark von Laxenburg handelt es sich um eine im österreichischen Raum einmalige vorhandene und erhaltenswerte Bausubstanz von besonderen kulturhistorischen und denkmalschützerischem Wert.

Die Hofeiskeller im Schlosspark Laxenburg wurden durch die Schloss Laxenburg Betriebsgesellschaft m. b. H. erst im Jahre 1995 von den bis dahin mit Schutt und anderen Ablagerungen aus der Nachkriegszeit geräumt.

Derzeit sind die Hofeiskeller aber aufgrund der baulich fehlenden Substanz gesperrt und können nur von außen besichtigt werden. Eine Revitalisierung bzw. geeignete Nutzung wird aber für die Zukunft angestrebt.

 

Ausführliche Informationen finden Sie in den Büchern:

Erhältlich im Museumsshop Franzensburg und an allen Parkkassen