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Glasmalereien

(Hubert Winkler - auszugsweise)

" Da ich diese Fenster nicht aus Eigennutz mahlen möchte, sondern der Ehre wegen für Ihro kaiserliche Majestät etwas zu arbeiten und dies grade auf den interressantesten Punkt in Teutschland für diese Kunst, ... so wage ich es, meine Kunst Seiner kaiserlichen Majestät allerunterthänigst zu Füßen zu legen." (Gottlob Samuel Mohn, Wien, 12. Mai 1813.)
Laxenburg war im frühen 19. Jahrhundert der einzige Ort in Europa, wo ein umfassendes Bildprogramm in Glasmalerei umgesetzt wurde. Als sich Gottlob Samuel Mohn im Mai 1813 andiente, „Reparationen" mit eingebrannter Glasmalerei an den Fenstern der Franzensburg durchzuführen, war das Ritterschloß bereits vollständig mit Glasgemälden ausgestattet. Es waren nicht nur mittelalterliche Glasgemälde eingebaut sondern auch ganze Fenster bereits um 1800 mit Ölfarben neu bemalt worden.
Das Bildprogramm auf den Fenstern beschränkte sich keinesfalls nur auf die Franzensburg sondern erstreckte sich über beinahe alle Gartengebäude.

Glasmalerei zur Jahrhundertwende (1798 - 1801)

Noch bevor mit den Bau der Franzensburg begonnen wurde lassen sich in Laxenburger Parkgebäuden Glasmalerein nachweisen. Für die Ausstattung der damals in Bau befindlichen Franzensburg sammelte der Geheime Kammerzahlamtskassier Michael Riedl ab Dezember 1798 in Wien und auf seinen Reisen nach Nieder- und Oberösterreich mittelalterliche Glasgemälde, die von ihren Besitzern nicht mehr geschätzt oder nicht mehr benötigt wurden.

GlasfensterWährend aus Klosterneuburg keine Glasmalerein übernommen wurden kamen einige Bestände jedoch aus der um 1799/1899 abgebrochenen Pfarrkirche Heiligenkreuz. Ab Anfang 1799 kümmerte sich Michael Riedl um Glasmalereien aus der Wiener Kirche Maria am Gestaade. Mit Wissen des Kaisers wurden einige Fenster entnommen. Weitere Glasgemälde stammen aus Pöggstall, der Kartause Gaming, dem Kloster Säusenstein oder auch der Stadtpfarrkirche in Steyr.

Die gesammelten, teilweise sehr stark beschädigten Glasgemälde wurden auseinandergenommen, aufgelegt, geputzt, gewaschen, repariert und durch einen Maler retuschiert. Danach setzte man die Fenster wieder zusammen, ergänzte die Fehlstellen teilweise mit anderen mittelalterlichen Scheiben, teilweise mit neuen, kaltbemalten Farbglastafeln und baute die Fenster in der Franzensburg ein.

Natürlich wurde der Großteil der Fenster aber neu hergestellt. Welche Maler aber damit betraut waren, lässt sich nur teilweise nachvollziehen. Den wesentlichen Anteil bewältigte Johann Karl, ein aus Böhmen stammender Maler, der ab Mai 1800 in Laxenburg nachweisbar ist. Von ihm heisst es, dass er „die meisten dieser Gläser gemahlen" hat. Besonders bemerkenswert ist auch die Mitarbeit von drei Porzellanmalern der Wiener Porzellanmanufaktur.

Ausbesserungen und Neuschöpfungen

Man hatte bereits bei der Fertigstellung der Franzensburg gewusst, dass die mit Ölfarben bemalten Fenster ständiger Reparaturen bedurften. Um diesen Umstand abzuhelfen, holte Michael Riedl im Juni 1813 den Glasmaler Gottlob Samuel Mohn nach Laxenburg.

GlasfensterDieser verstand es, Farben auf Glas einzubrennen, also mit Schmelzfarben zu arbeiten. Kaiser Franz I. hatte einige seiner Werke gesehen und unterstützte seine Berufung nach Laxenburg.

Gottlob Samuel Mohn sollte die neuen Glasmalereien der Franzensburg durch eingebrannte und somit dauerhafte Glasmalerei ersetzen. Er führte alle erforderlichen Arbeiten selbst durch, lediglich der aus Graz stammende Johann Prechtl , der seit Februar 1802 als Glasergehilfe in Laxenburg tätig war und 1804 die Reparationsglaserstelle von Adalbert Hammer übernommen hatte, stand ihm zur Seite.

Mohns erfolgreiche Arbeit wurde Ende Juli 1813 auf Befehl von Michael Riedl beendet. Da aber 1821 die mit Ölfarben bemalten Fenster die Farbe verloren hatten und dies als „auffallender Mißstand" bezeichnet wurde, holte man Gottlob Samuel Mohn abermals nach Laxenburg um die Fenster auszubessern.

GlasfensterUrsprünglich war vorgesehen, dass Mohn alle Arbeiten in der Franzensburg bis Ende Oktober 1824 vollenden sollte. Doch auch dieser Zeitplan konnte nicht eingehalten werden. Bereits im Juli 1824 trat Mohn persönlich bei Kaiser Franz I. mit der Bitte um eine permanente Anstellung an. Es war sein vordringlichster Wunsch die Glasmalereien der Franzensburg vollenden zu dürfen. Eine konkrete Entscheidung über dieses Ansinnen wurde nie getroffen, seine Beschäftigung in Laxenburg wurde aber stillschweigend verlängert.

Gottlob Samuel Mohn starb am 2. November 1825 in Laxenburg. In den vier Jahren, die er seit seiner zweiten Berufung 1821 in Laxenburg tätig war, hatte er das verwirklicht, was er sich bereits 1813 vorgenommen hatte, nämlich sich „ein ehrenvolles Denkmal in Teutschland (und wo könnt es besser sein als hier?) zu stiften, besonders da ich einer der ersten Teutschen bin, die diese alte Kunst wieder hervorgesucht haben" (Gottlob Samuel Mohn, Ende Juli 1813).

 

Glasgemälde im Vereinigungsbau (1826 - 1848)

Wilhelm Görner vollendete die von Mohn nicht mehr fertiggestellten Glasgemälde von Dezember 1825 bis November 1826. Vom 1. Jänner 1828 bis Ende August 1829 hielt sich der in Dresden geborene Glasmaler Wilhelm Voertel in Laxenburg auf, um die Fenster im Lothringersaal zu bemalen. In den folgenden Jahren erfolgten weitere Arbeiten von Johann Prechtl, Anton Kothgasser, Leopold Bucher, Carl Geyling oder auch Johann Friedrich Walzer.

Fünf Jahrzehnte wurde also beständig an den Fenstern der Parkgebäude in Laxenburg gearbeitet. Vieles davon ist heute noch im Bestand, vieles konnte gerettet werden, manches ist bei Versuchen der Restaurierung in Verlust geraten, leider ist auch durch die Wirren der Weltkriege einiges unbekannt verbracht bzw. zerstört worden.

Bestandserhaltung und Verluste (1850 - 1970)

Da Michael Riedl in den Jahren 1798 bis 1800 wesentlich mehr an Glasgemälden aus Kirchen und Schlössern zusammengetragen hatte als in den Parkgebäuden benötigt wurden, blieben zahlreiche Fenster am Bauplatz in Laxenburg liegen. Sie dienten als Vorrat für Reparaturen an den eingebauten Fenstern. Die letzten noch vorhandenen Reste mittelalterlicher Scheiben wurden 1883 nach Steyr gebracht und dort in der Stadtpfarrkirche (Laxenburger Fenster) eingebaut.

GlasfensterZum Schutze von Luftangriffen wurden 1939 die Fenster aus dem Rittersaal im Hohen Turm geborgen und später großteils in der Kirche Maria am Gestaade wieder eingesetzt. Die verbliebenen Reste befinden sich noch im Rittersaal. Die übrigen Glasgemälde wurden 1944 geborgen und in den 1960er Jahren wieder in die Franzenburg zurückgebracht.

Die Pracht dieser Glasfenster kann natürlich heute noch in der Franzensburg bewundert werden. Alle Details zu den Besichtigungen in der Franzensburg erfahren Sie im Kapitel Öffnungszeiten/Eintrittspreise Franzensburg!

 

 

Ausführliche Informationen finden Sie in den Büchern:

  • "Der Schlosspark Laxenburg"
  • "Die Franzensburg in Laxenburg"
  • "Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien"

Erhältlich im Museumsshop Franzensburg und an allen Parkkassen

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