Kleine Geschichte der Bootsfahrt im Schlosspark Laxenburg
Eine Bootsfahrt auf dem Schlossteich gehört heute zu den beliebtesten Erlebnissen im Schlosspark Laxenburg. Tatsächlich reicht die Geschichte des Vergnügens auf dem Wasser mehrere Jahrhunderte zurück: Schon Kaiser, Hofgesellschaft und internationale Gäste genossen Fahrten auf den Teichen der Schlossanlage.

Credit: Laxenburg, Pavillon auf der Mariannensinsel mit Teich und Staffage mit Ruderboot, um 1900, Fotografie, Inv.-Nr. PCH 2425 – C POR MAG, ÖNB Digital.
Als das Alte Schloss in Laxenburg noch einen Wassergraben hatte…
Das Alte Schloss im Schlosspark Laxenburg steht heute im Trockenen, ursprünglich handelte es sich aber um ein Wasserschloss. Bereits auf der ältesten Darstellung Laxenburgs aus dem späten 15. Jahrhunderts ist der Graben deutlich zu erkennen. Abgesehen von der militärischen Schutzfunktion und der Zucht von Wasservögeln diente dieser vor allem in späterer Zeit auch der repräsentativen Hofhaltung.

Credit: Georg Matthäus Vischer, Laxenburg [Altes Schloss], 1672, Stich, Inv.-Nr.143.955 – B POR MAG, ÖNB Digital.
Besonders unter Kaiser Leopold I. (1640-1705) wurde das Alte Schloss zu einem Zentrum höfischer Unterhaltung. Kahn- und Zillenfahrten auf dem Schlossteich gehörten ebenso zum Programm wie musikalische Darbietungen, Theateraufführungen und Ballette.
Auch unter Leopolds Sohn, Kaiser Karl VI., wurde der Schlossteich ähnlich genutzt: 1722 brachten Musiker auf Gondeln beim Empfang des venezianischen Botschafters Giovanni Priuli eine Serenata dar.
Unter Maria Theresia wurde das Alte Schloss umfassend umgestaltet. 1755 erging schließlich der Befehl, den Wassergraben trockenzulegen. Tatsächlich dürfte dies erst einige Jahre später erfolgt sein, denn noch 1770 werden Fahrten auf dem Teich erwähnt. Bei manchen dieser Gelegenheiten soll sogar Kaiser Franz Stephan, Maria Theresias Ehemann, selbst zum Ruder gegriffen haben. Wann genau es tatsächlich zur Aufschüttung des Grabens kam, ist ungewiss. Auf Plänen aus den Jahren 1782 und 1783 ist er jedenfalls bereits verschwunden.
Ein besonderes Boot am „Chinesischen Teich“
Unter Kaiser Franz und seiner zweiten Gemahlin, Marie Thérèse, erfuhr der Laxenburger Park zwischen 1790 und 1807 seine prägendste Umgestaltung. Im Zuge dessen entstanden neue Wasserflächen und neue Attraktionen, darunter der sogenannte „Chinesische Teich“ (heute als Goldfischteich bekannt). Inmitten des Teichs stand ein Pavillon im „chinesischen“ Stil, den man über Brücken erreichen konnte. Besonders beliebt war jedoch die Wasserfahrt mit einem außergewöhnlichen Boot, das zeitgenössischen Darstellungen nach die Form eines fantasievollen Mischwesens aus Fisch und Hahn besaß.

Credit: Lorenz Janscha, Das chinesische Lusthaus in Laxenburg, um 1800, Stich, Inv.-Nr. FKB-Vues Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Laxenburg 10 Kassette 7 FKB Vues KAR MAG, ÖNB Digital.
Auch Angelpartien gehörten zu den Unterhaltungen am „Chinesischen Teich“, wie Friedrich Anton Schönholz später beschrieb:
„So mischten sich in die Zerstreuungen des Hoflebens launige Unternehmungen, z. B. ein festliches Fischen am Karpfenteich des laxenburger Parkes, von der ‚japanischen Brücke‘, deren barockes Dach voll bunter Glasglocken hing, die, vom Luftzug geschaukelt, märchenhafte Musik machten, während unterhalb Zauberei unsichtbar schaltete, so daß mit einemmal die ausgelegten Angelruthen von schwerer Beute bogen und jeder Gast einen in possierliches Costüme gemummten Fisch heraufzog; der Leibarzt Stift sogar ein Wickelkind, was diesen gelehrten Mann von etwas steifen Manieren in eine höchst mißliche Lage versetzte.“
Der „chinesisch“ gestaltete Pavillon blieb jedoch nur wenige Jahre bestehen. Bereits um 1814 waren viele der aufwendigen Dekorationen verschwunden, ehe die Anlage in den frühen 1820er-Jahren vereinfacht umgestaltet wurde.
Der Schlossteich rund um die Franzensburg entsteht
Ab 1799 wurde rund um die zeitgleich entstehende Franzensburg eine weitläufige Teichlandschaft angelegt. Der Bau des Schlossteichs zog sich allerdings über Jahrzehnte hinweg. 1818 besaß er erst etwa die Hälfte seiner heutigen Ausdehnung; seine endgültige Form erhielt er erst zwischen 1837 und 1841. Gespeist wird der Teich bis heute von der Triesting, deren Wasser über den Forstmeisterkanal und die Große Kaskade eingeleitet wird.
Der Stapelplatz: Bootsfahrten für alle und ein Kaiser als Bootsführer
So wie auch schon der Park (ab den 1780ern) und die Franzensburg (ab 1801) öffentlich zugänglich waren, so war auch eine Kahnfahrt am Schlossteich nicht allein dem hohen Adel vorbehalten: Sobald der Teich befahrbar war, hatte auch das bürgerliche Publikum Gelegenheit dazu.

Credit: Johann Peter Krafft, Kaiser Franz I. setzt einen Mann auf dem Laxenburger Teich über, um 1837, Wikimedia Commons.
Eine besonders beliebte Anekdote erzählt von Kaiser Franz, der gerne in bürgerlicher Kleidung durch den Park spaziert sein soll. Ein Bauer hielt ihn angeblich für einen Bootsführer und bat ihn, ihn über den Teich zu rudern. Der Kaiser erfüllte die Bitte – sehr zur Überraschung seiner Begleiter. Diese amüsante Episode wurde auch bildlich festgehalten.
Im Jahr 1846 wurde schließlich verfügt, „[…] daß zur Vorbeugung künftiger Unglücksfälle auf dem Laxenburger Teiche das Befahren desselben nur mit Beigebung eines Schiffmannes gestattet werden wolle […]“. Als Grund nannte man die neue Eisenbahnverbindung, die immer mehr Besucher:innen nach Laxenburg brachte. Deren „Hauptvergnügen“ war schon damals die „Lustschifffahrt auf dem Teiche“.
Im späten 19. Jahrhundert nahm der touristische Andrang noch mehr zu. Schließlich wurden Gebühren für die Nutzung der Boote eingeführt, was für Empörung sorgte. „So ist Laxenburg […] mit einem Male allen verleidet“ lautete es dazu etwa in der „Neuen Freien Presse“. Man begründete die Entscheidung damit, dass manche Gäste die Boote übermäßig lang genutzt und an entlegenen Uferstellen gelagert hätten, wogegen man vorgehen wollte. Auch die Aufstellung einer Kassahütte wurde zu diesem Zweck geplant und – nachdem sichergestellt wurde, dass dadurch weder die Sicht auf den Teich noch die Eisgewinnung behindert werden würde – bewilligt.
Hoher Besuch: Bootsfahrten in Laxenburg für adelige Gäste
Natürlich nutzte auch der Adel den neuen Schlossteich für Bootstouren: Eine Fahrt auf dem Teich gehörte zum festen Programmpunkt eines Aufenthalts der kaiserlichen Familie in Laxenburg. Um die Umrundung der Franzensburg noch eindrucksvoller zu gestalten, wurde 1829 im dortigen Pfaffenstubenturm ein Glasglockenspiel installiert. Mehrere Trichter übertrugen die Klänge über die Wasserfläche und sorgten für Musikuntermalung.
Auch hochrangige Staatsgäste kamen in den Genuss einer Fahrt auf dem Schlossteich. Zu den bekanntesten Besuchern zählt der persische Schah Nasr-ed-Din, der während seines Aufenthalts in Österreich im Jahr 1873 mitsamt seinem Gefolge in Laxenburg untergebracht war. Die dortigen Bootsfahrten dürften sowohl ihm als auch seinen Gefolgsleuten sehr zugesagt haben. Die „Gemeinde-Zeitung“ vom 2. August 1873 berichtete damals:

Credit: Unbekannt, „THE SHAH ON THE LAKE OF LAXENBURG, NEAR VIENNA. THE SHAH´S PAVILLION IN THE PARK OF THE VIENNA EXHIBITION.“ [Ausschnitt], 1873, Wien Museum Inv.-Nr. W 4880, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/460145/).
„Stundenlang sieht man die Prinzen im Parke herumfahren, auf den Gondeln schankeln [sic!], höchsteigenständig Ruderversache [sic!] machen. Der Schah selbst hatte für Abends eine Pirutschade [Wagenfahrt, Anm.] im Park bestellt und eine Gondelfahrt verlangt. […] Der Schah hatte zuvor die Franzensburg besichtigt, mit dem lebhaftesten Interesse ihr einen fast einstündigen Besuch gewidmet und wollte erst in der Abenddämmerung den Teich befahren. […] Der Schah blieb lange auf dem Teich, er unterhielt sich trefflich bei der Fahrt und kehrte erst spät am Abend ins Schloß zurück.“
Der Bootsverleih im Schlosspark Laxenburg heute
Eine Fahrt auf dem Schlossteich zählt also schon seit Jahrhunderten zu den besonderen Attraktionen in Laxenburg. Der Bootsverleih wird heute von der Bootvermietung Laxenburg betrieben. Während der Saison stehen verschiedene Bootstypen zur Verfügung, die eine Umrundung der Franzensburg und einzigartige Ausblicke auf die historische Parklandschaft ermöglichen.
Dabei eröffnet sich ein Blick auf den Schlosspark, den bereits Kaiser, Hofgesellschaft und unzählige Besucher:innen genossen haben. Neben eindrucksvollen Ausblicken auf die Franzensburg bietet eine Bootsfahrt zudem die Möglichkeit, die vielfältige Tierwelt des Schlossparks Laxenburg zu entdecken.



Autorin: Ursula Müller-Angerer, MA
Hier finden Sie Ausflugstipps für Geschichtsinteressierte im Schlosspark Laxenburg.
Literatur
Friedrich Anton Schönholz, Traditionen zur Charakteristik Österreichs seines Staats- und Volkslebens unter Franz dem Ersten. Erster Band, Leipzig 1844, zu Laxenburg siehe die Seite 61.
Gemeinde-Zeitung. Unabhängiges, politisches Journal, XII. Jahrgang, Samstag-Ausgabe Nr. 58/Tägliche-Ausgabe Nr. 178, 2. August 1873, Gondelfahrt im Laxenburger Park, Wien, S. 2, URL: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=gem&datum=18730802&zoom=33 (abgerufen am 08.06.2026).
Neue Freie Presse, Nr. 15346, 13. Mai 1907, Lokalbericht. Die Kahnfahrten von Laxenburg, Wien, S. 11, URL: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=19070513&seite=11&zoom=33 (abgerufen am 08.06.2026).
Géza Hajós, Die Geschichte des Laxenburger Parks zwischen 1700 und 1914, in: Ders. (Hg.), Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien, Wien 2006, S. 13-152.
Lieselotte Hanzl-Wachter, Staffage- und Lustgebäude im Laxenburger Park, in: Géza Hajós (Hg.), Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien, Wien 2006, S. 165-200.
Michaela C. Schober, Quellen zur Geschichte des Laxenburger Parks 1750-1914, in: Géza Hajós (Hg.), Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien, Wien 2006, S. 293-352, zur „Beigebung eines Schiffmannes“ von 1846 siehe S. 335, Nr. 256.
Werner Telesko, Geschichtsraum Österreich. Die Habsburger und ihre Geschichte in der bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts, Wien 2006, zur Anekdote rund um Franz und den ahnungslosen Bauern siehe S. 166.
Elisabeth Springer/Barbara Hafner-Düringer/Margarete Platt/Michael Heidenreich, Laxenburg. Juwel vor den Toren Wiens. Eine Ortschronik der Marktgemeinde Laxenburg, Laxenburg 2013.