Seine Geschichte führt durch romantische Fantasien, Kriege, Geschmackskonflikte und Denkmalschutz – und endet als bewusst bewahrte Ruine, die zum Nachdenken einlädt.

Laxenburg und der romantische Landschaftsgarten

Die Zeit zwischen 1790 und 1807 markiert eine der prägenden Gestaltungsphasen im Schlosspark Laxenburg. Unter Kaiser Franz und seiner zweiten Gemahlin Marie Thérèse wandelte sich die Anlage zunehmend zu einem Landschaftsgarten im Geiste der Romantik: Natur, Stimmung und Imagination traten in den Vordergrund und damit das Bedürfnis nach überraschenden Gartenpartien.

Im Park entstanden daher mehrere Staffagebauten, darunter die türkische Moschee, der chinesische Pavillon, die Fischerhütten und der Rittergau mit der Franzensburg. Sie eröffneten Spaziergänger:innen jeweils eigene, stimmungsvolle Szenen.

Das Haus der Laune – Ein Meisterwerk der Romantik
Lorenz Jascha, Das Haus der Laune in dem k.k. Lustgarten zu Laxenburg, um 1800, Inv-Nr. FKB-Vues Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Laxenburg 09 KAR, Österreichische Nationalbibliothek.

Das Haus der Laune galt unter diesen Bauten als das wohl außergewöhnlichste. Als mögliches Geschenk Kaiser Franz’ an Marie Thérèse wurde es vom Architekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg entworfen. Die Erbauung fiel wohl in die Jahre 1797 bis 1798 – ein Aktenvermerk belegt jedenfalls, dass es bereits 1798 existierte. Ein Besuch dieses merkwürdigen Hauses wurde zum Höhepunkt des Spazierganges durch den Schlosspark Laxenburg.

Das Gebäude selbst war ein architektonisches Spiel: ein oktogonales Erdgeschoss mit vier Anbauten, darüber ein kleinerer Aufbau und schließlich vier markante Turmaufsätze, die als Vogelkäfige, als Festungsturm und als Nachbildung der „Ochsenmühle“ auf der Wiener Burgbastei gestaltet waren. Die Fassaden waren mit skurrilen, allegorischen Elementen versehen, die Dachschindeln wirkten wie Lebkuchen, auf dem Dach stand statt einer Wetterfahne ein Maibaum. Im Inneren ging es umso einfallsreicher weiter: Es gab etwa ein Konfektzimmer, eine Teufelsküche, ein Strohzimmer und einen Weinkeller – im Dachboden.

Das Haus der Laune entsprach damit ganz dem Zeitgeist der Romantik. Man wandte sich dem Merkwürdigen, dem Märchenhaften, dem Schwärmerischen und dem Allegorischen zu. Der Bau vereinte eine derartige Fülle an Motiven und Symbolen, dass eine eindeutige Interpretation schon für Zeitgenoss:innen unmöglich schien.

„Denn das Ganze scheint mir einen so hohen, feinen und vielfassenden Sinn zu haben, daß ihn außer dem Künstler vielleicht niemand vollständig erklären kann“

schrieb beispielsweise Franz de Paula Gaheis, der Laxenburg um 1800 besuchte.

Peter Pöttschner versuchte sich 1969 trotzdem daran und liefert eine mögliche Deutung: das Haus sei demnach ein „Tempel der Unvernunft“ gewesen.

Zerstörung während der Koalitionskriege

1809 befand sich das Kaiserreich Österreich nach wie vor im Krieg gegen das napoleonische Frankreich. Aus diesem Jahr stammt ein Vermerk des Schlosshauptmanns Michael Riedl:

„[…] die Gartenmeierei und das Haus der Laune sind geplündert worden. Im letzteren haben sie sehr vieles muthwillig zerstört!“

Diese Zerstörung markierte zugleich das Ende der romantisch geprägten Phase in Laxenburg. Bereits 1807 war Marie Thérèse verstorben und unter ihrer Nachfolgerin Maria Ludovica, der dritten Ehefrau Kaiser Franz’, setzte sich am Wiener Hof eine klassizistisch geprägte Geisteshaltung durch. Für das exzentrische Haus der Laune war in dieser neuen Welt kein Platz mehr.

Vom Haus der Laune zum Lusthaus im Eichenhain

1812 entschied man sich daher also sowohl aus Kostengründen als auch aus verändertem Geschmack für die Umwandlung in ein schlichteres Lusthaus. Es sollte der Aufstellung der vom Kaiserhof neu erworbenen Skulpturengruppe „Mars und Venus“ von Leopold Kiesling dienen. Mit der geplanten Nutzung als Ort der Figurenaufstellung ging auch die ursprüngliche Konzeption des Hauses der Laune verloren: Der Erbauung um seiner selbst willen, einzig als Träger seines Ideenreichtums.

Karl Bschor, Lusthaus im Eichenhain (Ausschnitt),
um 1820, Inv-Nr. Pk 5159, 6 POR MAG, Österreichische Nationalbibliothek

Die markanten Turmaufsätze verschwanden, die Innenräume wurden neu und schlicht eingerichtet. Während frühe Besucher:innen die verspielte Ausstattung bewunderten, lobte man nun gerade dessen Schlichtheit:

„[…] in ländlicher Einfachheit, höchst geschmackvoll eingerichtet […]“

Carl Julius Weber brachte den Wandel des ästhetischen Empfindens wohl am deutlichsten auf den Punkt:

„Das Haus der Laune hat sich in einen schlichten Pavillon verwandelt, und dieß zeigt von den Fortschritten des Geschmacks. Ich sahe es 1805 in seiner früheren Gestalt, wo es für ein Meisterwerk des Herrn v. Hochenberg galt […]“
Moriz Nähr, Haus der Laune oder Lusthaus im Eichenhain,
Fotografie, undatiert (um 1900), Inv-Nr.:94841 E POR MAG, Österreichische Nationalbibliothek
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Im 19. und 20. Jahrhundert blieb das Gebäude zwar weiterhin bestehen, doch der ursprüngliche Charakter war unwiederbringlich verloren. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verschlechterte sich der Zustand dramatisch. Fotografien aus den 1950er Jahren zeigen noch Reste des oberen Geschosses, doch fortschreitende Witterungseinflüsse führten zu weiterem Substanzverlust.

1981 wurde die Ruine – die mittlerweile nur noch aus dem Untergeschoss bestand – erstmals gesichert, um einen völligen Verfall zu verhindern. Erst ab 2015 setzte ein ernsthaftes, denkmalpflegerisches Sanierungsprojekt ein.

Das Haus der Laune heute

Die Sanierung verfolgte nicht das Ziel einer Rekonstruktion, sondern die Sichtbarmachung der Geschichte des Hauses der Laune. An kaum einem anderen Gebäude im Schlosspark Laxenburg ist dessen wechselvolle Vergangenheit so ablesbar. Der Ruinencharakter blieb daher bewusst erhalten: ein Dach wurde aufgesetzt, Streckfenster eingezogen, Verputz- und Malereireste wurden zurückhaltend ergänzt. So erhielt das Haus der Laune erneut neues Aussehen, dass jedoch dem Grundkonzept seiner Ursprungsidee verpflichtet ist: Wie einst regt es auch heute zum Nachdenken an.

Autorin: Ursula Müller-Angerer, MA
Mehr zur denkmalgerechten Sanierung des Hauses der Laune lesen Sie hier.

Literatur:

Franz Anton de Paula Gaheis, Spazierfahrt nach Laxenburg, in: Ders., Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden rund um Wien. Viertes Bändchen. Zweyte, umgearbeitete und vermehrte Auflage, Wien 1801, S. 151-186, zum Haus der Laune in Laxenburg siehe die Seiten 173-181.

Gerhard von Coeckelberghe, Beytrag zur Chronik des Allerhöchsten Hofe. (Lustfahrt nach Laxenburg.), in: Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 2023. April, May, Juny, Nr. 60, 20. May 1823, S. 485-487.

Carl Julius Weber, Siebzehnter Brief. Die Umgegend Wiens, in: Ders., Deutschland oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen. Zweiter Band, Stuttgart 1827, S. 323-240, zum Haus der Laune in Laxenburg siehe die Seiten S. 339-340.

Peter Pötschner, Das Haus der Laune im Park zu Laxenburg. Wirklichkeit und Modell, in: Kurt Rossacher (Hg.), Alte und moderne Kunst, 14. Jahrg, 106, Wien 1969, S. 2-14.

Annedore Brock, Das Haus der Laune im Laxenburger Park bei Wien, Studien zu Phänomenen der Frühromantik [Europäische Hochschulschriften, Reihe 28, Kunstgeschichte, 262], Frankfurt am Main 1996.

Annedore Brock, Das Prinzip der Laune und die Kaiserin Marie Therése aus Neapel. Gedanken anlässlich des „Hauses der Laune“ im Laxenburger Park, in: Géza Hajós (Hg.), Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien, Wien 2006, S. 201-226.

Lieselotte Hanzl-Wachter, Staffage- und Lustgebäude im Laxenburger Park, in: Géza Hajós (Hg.), Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien, Wien 2006, S. 165-200, zum Haus der Laune siehe die Seiten 182-184.

Elisabeth Springer/Barbara Hafner-Düringer/Margarete Platt/Michael Heidenreich, Laxenburg. Juwel vor den Toren Wiens. Eine Ortschronik der Marktgemeinde Laxenburg, Laxenburg 2013.

Gerold Eßer/Astrid Mang, Haus der Laune in Laxenburg. Meisterstück komisch allegorischer Dichtung [Bundesdenkmalamt (Hg.), Wiederhergestellt, 84], Wien 2022.