Ruine als Denkmal – Das Haus der Laune im Schlosspark Laxenburg
Was macht ein Denkmal aus – und welcher Zustand ist es, der bewahrt werden soll?
Kaum ein anderes Staffagegebäude im Schlosspark Laxenburg erfuhr eine so wechselvolle Geschichte wie das Haus der Laune. Die von 2019 bis 2020 ausgeführte Instandsetzung dieses einzigartigen Kulturgutes verdeutlicht eine der zentralen Fragen der Denkmalpflege.

Wien Museum Inv.-Nr. 106971 CC BY 4.0 (httpssammlung.wienmuseum.atobjekt197246).
Ein „Meisterstück komisch=allegorischer Dichtung“ sei es gewesen und überhaupt „ein Werk […], deßgleichen Europa nicht aufzuweisen hat“: Als Franz Anton de Paula Gaheis 1801 seine Eindrücke zum Haus der Laune in Laxenburg festhielt, präsentierte sich die fantasievolle Anlage noch mit all ihren verspielten Details. Knapp 200 Jahre später stand das Gebäude, gezeichnet von Kriegen und Zerstörung, bis auf das Ziegelwerk entblößt da.
Als man 2015 erste Überlegungen zur Erhaltung dieser Ruine anstellte, erforderte dieses Vorhaben auch eine eingehende Beschäftigung mit dem Symbolgehalt des Bauwerks – sowohl mit seinem ursprünglich bewusst geplanten Bedeutungsgehalt als auch mit jenem, den es im Laufe von zwei Jahrhunderten angesammelt hatte. Dieser Beitrag beleuchtet den Denkmalcharakter des Hauses der Laune und die Grundsätze seiner denkmalgerechten Erhaltung.
Das Haus der Laune von seinen Ursprüngen bis 2015
Entstehung, Wandel und Erhaltungszustand
Das Haus der Laune entstand um 1798 im Zuge der romantischen Neugestaltung des Schlossparks Laxenburg unter Kaiser Franz und seiner zweiten Gemahlin Marie Thérèse. Es nahm innerhalb der vielen neu errichteten Staffagebauten eine Sonderstellung ein und entzog sich bewusst einer klaren Deutung.
Zeitgenössische Quellen belegen die außergewöhnliche, fantastisch-groteske Gestaltung des Gebäudes. Die Räume waren geprägt von spielerischer Imagination und der Verkehrung gewohnter Ordnungen. So gab es etwa einen Weinkeller im Dachboden oder eine Teufelsküche.
1809 wurde das Haus der Laune im Zuge der Koalitionskriege schwer beschädigt. Gleichzeitig veränderte sich der Geschmack am Wiener Hof, denn nach dem Tod Marie Thérèses im Jahr 1807 dominierte eine klassizistische Ästhetik, die dem exzentrischen Bauwerk keinen Raum mehr ließ. Ab 1812 erfolgte daher ein Umbau: Aus dem fantasievollen Haus der Laune wurde ein bieder anmutendes „Lusthaus im Eichenhain“.

Nach weiteren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg war vom einstigen Gebäude kaum mehr übrig als das Erdgeschoss und Fragmente des Obergeschosses. Der Zustand verschlechterte sich durch Verwitterung zusätzlich, bis 1981 die verbleibende Ruine erstmals gesichert wurde. Ab 2015 setzten vertiefte denkmalpflegerische Überlegungen zur Instandsetzung ein.
Warum erhalten und wenn ja, wie?
Das Wesen eines Denkmals
Spätestens an diesem Punkt stellte sich jedoch eine grundsätzliche Frage der Denkmalpflege: Was genau macht ein Objekt wie das Haus der Laune eigentlich zu einem Denkmal und welcher Zustand ist es, der bewahrt werden soll?
Der Denkmalbegriff ist dabei wesentlich weiter zu fassen, als es der allgemeine Sprachgebrauch nahelegt: Als Denkmäler gelten von Menschen geschaffene Objekte, die eine geschichtliche, künstlerische oder sonstige kulturelle Bedeutung haben und deren Erhalt daher im öffentlichen Interesse liegt. Das umfasst Gegenstände jeglicher Art, von Kirchen über Lokomotiven bis zu Almhütten.
Zur Bewertung des Denkmalwertes können unter anderem folgende Kriterien herangezogen werden:
- Das Objekt stellt ein wichtiges Zeugnis einer bestimmten Epoche, Nutzung oder Kultur dar.
- Das Objekt ist selten oder charakteristisch für seinen Typus.
- Das Objekt zeigt eine besondere geschichtliche Entwicklung oder trägt eine soziale Bedeutung.
Auf das Haus der Laune treffen alle diese Punkte in mehrerlei Hinsicht zu, sein Denkmalwert ist unbestritten. Schwieriger ist die Frage, welcher Zustand als denkmalpflegerisch relevant gilt.
Grundsätzlich lassen sich zwei konträre Zugänge festmachen. Diese bilden die Endpunkte eines Spektrums, in dem sich entsprechende Maßnahmen bewegen:
- Erhaltung, also die Sicherung des aktuellen Zustands ohne wesentliche Veränderung und
- Rekonstruktion, also die Wiederherstellung früherer Formen.
Eine Rekonstruktion setzt ausreichend historisches Quellenmaterial voraus, d. h. Pläne, Bilder oder Beschreibungen. Für das Haus der Laune wäre dies gegeben, ja sogar ein zeitgenössisches Modell existiert. Warum entschied man sich dennoch gegen einen Wiederaufbau und für die Bewahrung des ruinösen Zustands?

Schloss Laxenburg BetriebsgesmbH
Das Haus der Laune als Denkmal
Ruine als Geschichtsträger
Die Frage nach dem richtigen Umgang mit der Ruine führte zu konkreten Untersuchungen hinsichtlich Restaurierung, Bauhistorie und Archäologie. Sie waren die Grundlage für unterschiedliche Überlegungen, wie das Haus künftig genutzt werden könnte. Für das Verständnis denkmalpflegerischer Entscheidungen ist dabei wichtig zu wissen, dass ein Denkmal auch in veränderter oder beschädigter Form erhaltenswert sein kann, sofern:
- der historische Charakter noch erkennbar ist,
- wesentliche Merkmale erhalten geblieben sind oder
- spätere Veränderungen selbst Teil der Geschichte geworden sind.
Zugleich bleibt jede Rekonstruktion letztlich eine moderne Ergänzung, die nicht das Original, sondern nur eine Interpretation davon darstellt.
In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt, den Planer:innen und den ausführenden Fachkräften wurde daher beschlossen, die vorhandene Originalsubstanz unverfälscht zu bewahren. Die heutige Ruine erzählt von der Geschichte des Hauses der Laune: von verheerenden Kriegen, vom Wandel ästhetischer Vorstellungen und vom veränderten Umgang mit Architektur und Bedeutung.
Erhaltungsmaßnahmen am Haus der Laune
Konservierung und behutsame Ergänzung
Auf dieser Grundlage begann im Jahr 2019 die Umsetzung der Sanierung. Erhaltene Putzflächen, Wandmalereifragmente und Steinteile wurden konserviert und zurückhaltend ergänzt. Über den noch teilweise vorhandenen Boden wurde ein ebener, diffusionsoffener Schutz- und Gehbelag gelegt, während Türen und Fenster durch verschließbare Steckläden gesichert wurden. Den Abschluss bildet ein scheinbar über der Mauer schwebendes Dach, das nicht nur vor Witterung schützt, sondern durch seine elegante Ausführung auch die besondere Wirkung des Innenraums betont. Die Wiesenflächen wurden gemäß dem Parkpflegewerk – dem Erhaltungsleitfaden des Schlossparks – gestaltet.
Die Gesamtkosten betrugen € 270.000,00 und wurden vom Bundesdenkmalamt, dem Amt der Niederösterreichischen Landesregierung (Abteilung Kunst und Kultur) und aus Budgetmitteln der Schloss Laxenburg Betriebsgesellschaft mbH finanziert.



In seiner heutigen Form ermöglicht das Haus der Laune einen reflektierten Blick auf Geschichte, Vergänglichkeit sowie den Wandel kultureller Werte. Es zeigt, dass Denkmalpflege nicht die Wiederherstellung des Verlorenen bedeutet, sondern die bewusste Auseinandersetzung mit Geschichte und ihren Spuren.
Autorin: Ursula Müller-Angerer, MA
Einen Überblick zur Geschichte des Hauses der Laune finden Sie hier.
Literatur:
Franz Anton de Paula Gaheis, Spazierfahrt nach Laxenburg, in: Ders., Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden rund um Wien. Viertes Bändchen. Zweyte, umgearbeitete und vermehrte Auflage, Wien 1801, S. 151-186.
Ernst Bacher, Alois Riegl und die Denkmalpflege, in: Ders. (Hrsg.), Kunstwerk oder Denkmal? Alois Riegls Schriften zur Denkmalpflege, Wien/Köln/Weimar 1995, S. 13–48.
Annedore Brock, Das Haus der Laune im Laxenburger Park bei Wien, Studien zu Phänomenen der Frühromantik [Europäische Hochschulschriften, Reihe 28, Kunstgeschichte, 262], Frankfurt am Main 1996.
Lieselotte Hanzl-Wachter, Staffage- und Lustgebäude im Laxenburger Park, in: Géza Hajós (Hg.), Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien, Wien 2006, S. 165-200, zum Haus der Laune siehe die Seiten 182-184.
Elisabeth Springer/Barbara Hafner-Düringer/Margarete Platt/Michael Heidenreich, Laxenburg. Juwel vor den Toren Wiens. Eine Ortschronik der Marktgemeinde Laxenburg, Laxenburg 2013.
Barbara Neubauer, Was bedeuten Denkmalschutz und Denkmalpflege heute?, in: Hauptverband der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen Österreichs (Hg.), Sachverständige, 4/2015, Wien 2015, S. 184-190.
Gerold Eßer/Astrid Mang, Haus der Laune in Laxenburg. Meisterstück komisch allegorischer Dichtung [Bundesdenkmalamt (Hg.), Wiederhergestellt, 84], Wien 2022.