Mondscheinführungen im Schlosspark Laxenburg – Gartenkunst im Zeichen des Mondes einst und jetzt
Im Schlosspark Laxenburg verschmelzen Mondlicht, romantische Gartenkunst und märchenhafte Architektur zu einer einzigartigen Inszenierung, in der Wirklichkeit und Fantasie seit dem 18. Jahrhundert ineinander übergehen.

Als Joseph Hammer-Purgstall im Jahr 1799 die Schönheit des Schlossparks Laxenburg besang, verfasste er folgende Textzeile:
„Aber was blendet mein Aug‘? Wo bin ich? Im Lande der Fabeln? / Im Gebiethe des Monds? Im Reiche der Feen und Träume? […]“
Die Worte bezogen sich auf das berühmte Haus der Laune, das um 1798 erbaut wurde und voller fantastischer Einfälle steckte. Nicht von ungefähr meinte Hammer-Purgstall, sich bei dessen Anblick „im Gebiethe des Monds“ zu befinden.
Ein „Haus des Mondes“ im Schlosspark Laxenburg
Bereits im 18. Jahrhundert führte man den Begriff „Laune“ auf das lateinische Wort für Mond, luna, zurück. Im Zeitalter der Aufklärung diente die Sonne als Symbol der Erleuchtung, dagegen stand der Mond für die aufkommende romantische Geisteshaltung. Er verkörperte das Irrationale, das Rätselhafte und das Unheimliche. Der romantische Dichter Novalis bezeichnete den Mond gar als „Vater der Phantasie“. Auch das Prinzip der Verkehrten Welt, also die Umkehrung von Vernunft und Ordnung, wurde mit ihm assoziiert.
Sonne und Mond als Gegensätze von Vernunft und Unvernunft erscheinen bereits in W. A. Mozarts berühmter „Zauberflöte“ von 1791: Der gemäßigte Sonnenkönig Sarastro steht darin der Königin der Nacht gegenüber. Deren Launenhaftigkeit – die Figur wandelt sich von der klagenden Mutter zur rachsüchtigen Herrscherin – äußert sich in virtuosen Spitzentönen. Wohl nicht zufällig war das Musikzimmer des „Hauses der Laune“ mit Notenblättern tapeziert, auf denen der Titel „Die Zauberflöte“ besonders deutlich prangte. Maßgeblich bei der Konzeption des „Hauses der Laune“ dürfte Marie Thérèse von Neapel-Sizilien, die zweite Gemahlin Kaiser Franzens, gewesen sein.
Spaziergänge im Zauber der Nacht
Nacht, Mond und Laune entsprachen also dem Irrationalen, Geheimnisvollen und Schwärmerischen. Wie eng diese Vorstellungen mit Gartenkunst verknüpft waren, zeigt sich etwa im „Tempel der Nacht“ (auch „Lunatempel“) des Landschaftsgartens von Schönau. Hier lassen sich gleich mehrere Parallelen zu Laxenburg finden: Der „Tempel der Nacht“ und das „Haus der Laune“ entstanden nicht nur nahezu zeitgleich, beide Gebäude stammen außerdem vom Architekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg. Ein Besuch des Tempels in Schönau wurde stets sorgfältig inszeniert: als nächtlicher Spaziergang bei Mondschein, begleitet von Musik und theatralischen Effekten. Der damalige Besitzer des Gartens, Peter Freiherr von Braun, lud nicht selten auch das Kaiserpaar zu diesen abendfüllenden Programmen ein. Gerade Marie Thérèse dürfte ihm auch freundschaftlich verbunden gewesen sein. In Gedenken daran ließ Braun die Inschrift: „Es lebe Franz und Theresia“ im „Tempel der Nacht“ anbringen.
Spaziergänge bei Nacht – die oft zu religiös, ruinös oder okkultistisch anmutenden Gebäuden führten – waren im ausgehenden 18. Jahrhundert allgemein beliebte Freizeitbeschäftigungen. Die Illumination von Wegen und Architektur spielte dabei eine besondere Rolle. Darüber hinaus wurden in dieser Zeit mondbeschienene Gärten zu einem beliebten Motiv der bildenden Kunst. Auch Gebäude des Schlossparks Laxenburg wurden wiederholt im Mondlicht dargestellt. Das Thema der nächtlichen Landschaft war somit auch hier präsent.

Credit: Matthias Schmutzer, Die Einsidelei in Laxenburg bei Nacht, um 1802, Inv. Nr. Pk 3003, 650 POR MAG, ÖNB Digital.
Mond, Märchen, Mysterium und die Gartenkunst
Fast zeitgleich mit dem Haus der Laune entstand auch die Franzensburg, die ebenfalls Aspekte dieser „Mondscheinarchitekturen“ – also die Fantasie beflügelnde, märchenhaft und geheimnisvoll anmutende Gebäude in romantischen Gartenanlagen – in sich vereint. Ein zentrales Motiv stellten dabei Türme dar.
Man assoziierte diese nicht nur mit Märchen, sondern auch mit Freimaurerei und anderen Geheimbünden. Der Weg vom Dunkel hinauf zum Licht symbolisierte dabei den Prüfungs- und Initiationsweg der Neuankömmlinge solcher Verbindungen. Auch der Weg vom Verlies der Franzensburg hinauf auf die Aussichtsplattform ließe sich in diesem Sinne deuten. Belege dafür, dass der Turm der Franzensburg konkret als Initiationsarchitektur gedacht war, gibt es jedoch keine. Im Gegenteil: Kaiser Franz war ein erklärter Gegner jeglicher Geheimbünde. Vielleicht ist daher auch der rasselnde Gefangene im Verlies der Franzensburg, der wie ein Tempelritter gekleidet ist, eher als Warnung denn als Hommage an Geheimbünde zu werten. Gerade im späten 18. Jahrhundert sah sich etwa die Wiener Freimaurerloge „Zur Strikten Observanz“ in der Nachfolge der Templer.
Wie sehr sich jedoch die Motive des Märchens, der Freimaurer, des Mondes und der Gartenkunst ergänzten, zeigt erneut ein Vergleich mit Mozarts Zauberflöte. Die Geschichte der Oper entspricht einem Märchen mit einer Königin der Nacht und einem Prinzen, der sich Prüfungen unterziehen muss. Gerade die Gartengestaltung in Schönau mit dem Tempel der Nacht soll frühe Inszenierungen der Zauberflöte in Hinblick auf Kulissen beeinflusst haben. Peter Freiherr von Braun war wie Mozart und der Librettist der „Zauberflöte“, Emanuel Schikanender, Mitglied einer Freimaurerloge.
19. Jahrhundert: „Mondscheinpartien“ im Schlosspark Laxenburg
Die Faszination für Gartenlandschaften bei Mondenschein führte auch in Laxenburg zu abendlichen Spaziergängen. Die Vermutung, dass diese schon um 1800 herum stattfanden, also etwa zeitgleich mit den Prozessionen zum „Tempel der Nacht“, lässt sich jedoch nicht nachweisen. Carl von Vincenti, der 1909 von einem Ausflug nach Laxenburg berichtete, erinnerte sich jedoch an folgende Begebenheit:
„Vor Jahren gab es auch Mondscheinpartien auf dem Teich. Eine Erinnerung steigt mir auf. Ich studierte orientalische Sprachen in Wien. Ach, lang ist’s her. Da stiegen wir an einem herrlichen Spätsommerabend die 175 Stufen des Wachturms der Franzensburg hinauf zur Plattform und dann zuhöchst auf den Rondellenturm. […] Auf den Teich sanken die Schatten, und die Schwäne waren wie Silberflocken im Dämmer. Bald aber kam der Mond herauf, langsam, groß, still.“

Credit: Unbekannt, Laxenburg – Parklandschaft in Mondscheinstimmung, um 1840, Wien Museum Inv.-Nr. 59979, CC BY 4.0, Foto Birgit und Peter Kainz, Wien Museum.
Bereits im Jahr 1882 hielt ein weiterer Besucher Laxenburgs in ähnlich blumigen Worten seine Eindrücke vom nächtlichen Schlosspark fest:
„Wir können von Laxenburg nicht scheiden, ohne ihm eine Abendvisite abgestattet zu haben. Dort steht er im Osten, der volle Mond in majestätischer Pracht und gießt seine Zauberstrahlen auf die träumende Gegend. […] Suche nicht mehr die Märchenwelt; du stehst in ihr. Da hast du die Ritterburg im Geisterscheine, die strahlenspiegelnde Fläche des Sees, das ruhige Segeln der Schwäne […], dort am Ufer bei den Gondeln tauchen Nixen hervor […]; neben dir auf mondbeglänzter Wiesenflur schweben die Elfen dahin […]. Zu schön ist’s, hier zu träumen.“
Die Beschreibung des Schlossparks Laxenburg als eine Art Märchengarten findet man wie eingangs erwähnt in Joseph Hammer-Purgstalls Lobgesang auf Laxenburg aus dem Jahr 1799 („Lande der Fabeln“ und „Reiche der Feen“). Ähnliches schrieb 1844 Friedrich Anton Schönholz: Bei ihm ist vom„Sommernachtstraum des Lustschlosses Laxenburg“ und dem „Zaubergarten von Schloß Laxenburg“ die Rede.
Heute: Mondscheinführungen auf der Franzensburg
Auch heute lebt diese Faszination des nächtlichen Zaubers in Laxenburg weiter: In den Sommermonaten werden im Schlosspark regelmäßig Mondscheinführungen auf der Franzensburg angeboten. Dabei bewegen sich Besucher:innen – ganz im Sinne historischer Inszenierungen – durch die nächtliche Parklandschaft, erreichen per Fähre die Burg und steigen bis auf den Hohen Turm hinauf, um den Park im silbernen Licht des Mondes zu erleben.
Die Führung verbindet historische Hintergründe mit atmosphärischem Erlebnis und macht nachvollziehbar, wie sehr die Gestaltung Laxenburgs von Vorstellungen des Geheimnisvollen, Märchenhaften und Traumhaften geprägt war. Damit knüpfen die Mondscheinführungen nicht nur an eine historische Praxis an, sondern führen ein ästhetisches Programm fort, in dem Natur, Architektur und Wahrnehmung gezielt zu einem Gesamterlebnis verschmelzen.
Alle Termine und weitere Informationen zu den Mondscheinführungen finden Sie im Veranstaltungskalender.
Autorin: Ursula Müller-Angerer, MA
Mehr zur Geschichte des Hauses der Laune.
Literatur
Joseph Hammer-Purgstall, Wiens Gärten und Umgebungen. Besungen im Jahre 1799, in: Franz Sartori (Hg.), Mahlerisches Taschenbuch für Freunde interessanter Gegenden, Natur- und Kunst-Merkwürdigkeiten der Österreichischen Monarchie. Erster Jahrgang, Wien 1812, S. 5-80, zum Haus der Laune in Laxenburg siehe die Seiten 41-43.
Franz Anton de Paula Gaheis, Spazierfahrt von Wien nach Schönau. Im November 1800, in: Ders. (Hg.), Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden um Wien. Fünftes Bändchen. Zweyte, umgearbeitete und vermehrte Auflage, Wien 1802, S. 1-50.
Friedrich Anton Schönholz, Traditionen zur Charakteristik Österreichs seines Staats- und Volkslebens unter Franz dem Ersten. Erster Band, Leipzig 1844, zu Laxenburg siehe die Seiten 38; 66-67.
Michael Ronacher, Im Parke zu Laxenburg, in: Kärntischer Landes-Lehrerverein (Hg.), Pädagogische Stimmen. Neue Folge des „Kärntischen Schulblattes“, II. Jahrgang. Der ganzen Reihe XV. Jahrgang, Klagenfurt 1882, S. 162-164, zur Abendvisite in Laxenburg siehe S. 163.
Carl von Vincenti, Ein Sommertag in Laxenburg, in: Hanns von Zobeltitz/Paul Oskar Höcker, Velhagens und Klasings Monatshefte, Jahrgang 1908/1909, 3. Band, Berlin/Bielefeld/Leipzig/Wien 1909, S. 442-452, zu den Mondscheinpartien in Laxenburg siehe Seite 452.
Annedore Brock, Das Haus der Laune im Laxenburger Park bei Wien, Studien zu Phänomenen der Frühromantik [Europäische Hochschulschriften, Reihe 28, Kunstgeschichte, 262], Frankfurt am Main 1996.
Annedore Bock, Das Prinzip der Laune und die Kaiserin Marie Therése aus Neapel. Gedanken anlässlich des „Hauses der Laune“ im Laxenburger Park, in: Géza Hajós (Hg.), Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien, Wien 2006, S. 201-226.
Lieselotte Hanzl-Wachter, Staffage- und Lustgebäude im Laxenburger Park, in: Géza Hajós (Hg.), Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien, Wien 2006, S. 165-200, zum Haus der Laune siehe die Seiten 182-184.