Thronrestaurierung in der Franzensburg – Bewahren statt Erneuern
Neuer Glanz für den Thron der Franzensburg.

Auch in der Nebensaison geht die Arbeit im Schlosspark Laxenburg weiter: Die ruhigeren Monate werden genutzt, um wichtige Erhaltungs- und Restaurierungsmaßnahmen an den historischen Objekten durchzuführen. Ein zentrales Projekt des Spätjahres 2025 war die Restaurierung des Thronensembles in der Franzensburg. In Zusammenarbeit mit dem Atelier Käfer wurde das besondere Möbelstück untersucht und denkmalgerecht behandelt. Im Mittelpunkt stand dabei eine grundlegende Frage: Wie restauriert man ein Objekt, das bewusst alt wirken soll?
Die Franzensburg zwischen Gotik und Neogotik
Die Franzensburg vereinte von Beginn an Alt und Neu in sich. Als man 1798 mit ihrem Bau begann, wurde nicht nur mittelalterliche Architektur imitiert, sondern bewusst originale historische Bausubstanz integriert.
So ließ man etwa die 1222 geweihte Capella Speciosa in Klosterneuburg abbrechen, um mit dem Baumaterial die Burgkapelle oder den Speisesaal auszustatten. Diese sogenannten Spolien, also wiederverwendete historische Bauteile, tragen zum einzigartigen Charakter der Anlage bei. Altes und Neues verschmilzt bewusst zu einer historisierenden Gesamtwirkung.
Der Thron, der nie „neu“ wirken durfte
Auch das Thronensemble folgt diesem Prinzip. Es entstand um 1800 unter Verwendung von Teilen eines mittelalterlichen Chorgestühls aus Klosterneuburg, die mit neogotischen Elementen ergänzt wurden. Die Vergoldung des Throns stammt ebenfalls aus dieser Zeit und wurde damals bewusst so ausgeführt, dass sie historisch gereift erscheint.
Genau dieser ästhetische Anspruch stellte bei der aktuellen Restaurierung eine besondere Herausforderung dar. Ziel war es nicht, den Thron zu erneuern, sondern seinen künstlich gealterten Charakter zu bewahren.
Gleichzeitig galt es, die in über zwei Jahrhunderten entstandene Patina zu erhalten. Dieser Begriff bezeichnet die natürlich gealterte Oberfläche. Die Patina ist kein Mangel, sondern wesentlicher Bestandteil des historischen Werts: Sie erzählt von Nutzung, Alter und Geschichte eines Objekts.
Sorgfältige Restaurierung zwischen Ergänzen und Erhalten

Zu Beginn der Restaurierung stand eine umfassende Zustandserhebung. Dabei wurden unter anderem Abrieb, Fehlstellen in der Vergoldung, lose Partien oder frühere Überarbeitungen dokumentiert. Auf dieser Grundlage wurde ein Restaurierungskonzept entwickelt, das dem Prinzip der Minimalintervention folgte: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Die Umsetzung erforderte daher viel Feingefühl. Größere Fehlstellen in der Vergoldung wurden mit Blattgold ergänzt. Anschließend wurden Details mit Goldpuder und einem speziellen Bindemittel nachbearbeitet, um die ausgebesserten Bereiche harmonisch in das bestehende Erscheinungsbild einzufügen.
Wichtig war auch die Möglichkeit der Reversibilität, weshalb jegliche Ergänzungen so gefertigt wurden, dass künftige Restaurator:innen den ursprünglichen Zustand vor der Restaurierung wiederherstellen können. So entstand ein bewusst zurückhaltendes Ergebnis ganz im Sinne einer denkmalgerechten Restaurierung: Der Thron ist gepflegt, ohne seinen historischen Ausdruck zu verlieren.
Verantwortung für das kulturelle Erbe
Die Franzensburg wurde um 1800 unter anderem mit dem Ziel erbaut, ein Museum für die Kunst des Mittelalters im österreichischen Raum zu schaffen. Von Anfang an bestand also der Anspruch, kulturelles Erbe zu vermitteln. Heute zeigt sich dieser Gedanke in der sorgfältigen Pflege und Restaurierung historischer Objekte wie dem Thronensemble. Ein besonderer Dank gilt dem Team des Ateliers Käfer, das mit seinem fachkundigen Einsatz einen wertvollen Beitrag dazu geleistet hat. So bleibt der einzigartige Charakter des Throns in der Franzensburg auch für kommende Generationen erhalten – als authentisches Zeugnis seiner Geschichte.

Sie möchten den thron im neuen glanz selbst erleben?
Ab dem 28. März 2026 können Sie im Rahmen unserer Museumsführung durch die Franzensburg den Thronsaal und viele weitere Prachträume bewundern. Alle Informationen dazu finden Sie hier.